Ein
denkwürdiger Tag für die Abwasserbranche und den Verband
Deutscher Rohr- und Kanal-Technik-Unternehmen (VDRK e.V.): Am 6.
Mai 2008 wurden auf der IFAT 2008 in München die ersten Meister
des Berufsbildes „Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice“
in den Arbeitsmarkt verabschiedet. Von 24 Teilnehmern der Vorbereitungslehrgänge,
konnten 17 Meisterschüler, darunter eine Frau, Ihre Meisterbriefe
während der Feierstunde auf dem IFAT-Stand der IBAK GmbH in
Empfang nehmen. Für den VDRK, auf dessen Initiative Schaffung
und Ausgestaltung des neuen Berufsbildes maßgeblich zurückgehen,
ein historischer Erfolg.
Nachdem VDRK-Vorstandsmitglied Klaus-
Dieter Zawisla die Feier eröffnet und die hohe fachliche Kompetenz
der Meisteranwärter gewürdigt hatte, wies Dr. Karl Thoer
von der für die Meisterschulung zuständigen DEULA Rheinland
GmbH unter anderem darauf hin, dass inzwischen schon der zweite
Meisterkurs gut besucht läuft und ein dritter für den
Herbst
bereits
fest terminiert ist. Josef Füllenbach, Gründungsmitglied
und VDRK Vorstandsvorsitzender a. D., blickte in einer sehr persönlichen
Ansprache auf die Geschichte des neuen Berufsbildes bis zu den Anfängen
zurück. Nach seinen Ausführungen war die Schaffung eines
ordentlichen Berufsbildes für Kanalreiniger und Inspekteure
neben gesteigerter Qualität und Kundenzufriedenheit eine der
maßgeblichen Motivationen für die Gründung des Verbandes.
Im Anschluss wurden die Meisterbriefe durch die Herren Klaus-Dieter
Zawisla (Vorsitzender der Meisterprüfungskommission) und Bernd
Holzapfel von der Deula Rheinland übergeben.
Seit den 90er Jahren hatte der VDRK
vehement für die Einführung eines neuen Ausbildungsberufs
für Kanal-Inspekteure und -Reiniger gekämpft. Hieran waren
die Herren Friedhelm de la Motte, Klaus Dieter Zawisla und Wolfgang
Wutschig federführend beteiligt. Hintergrund dieses Engagements
war die Einsicht der VDRK-Mitgliedsunternehmen, dass zunehmende
Technik- und Kapitalintensität in diesem Arbeitsfeld in einem
latenten Missverhältnis zur Personalqualifikation standen.
Zudem war der ungelernte oder allenfalls angelernte „Kanalarbeiter“
lange Zeit geradezu das Musterbeispiel eines berufliches Negativ-Images;
daraus erwuchs der Branche ein chronisches Nachwuchsproblem.
Die entscheidende Chance für
den VDRK und sein neues Berufsbild ergab sich, als Anfang des Jahrzehnts
die Neuordnung der umwelttechnischen (UT-)Berufe auf der politischen
Agenda stand. Die intensiven Verhandlungen des VDRK mit den Sozialpartnern
einerseits und anderen umwelttechnischen Fachverbänden und
politischen Gremien andererseits mündeten letztlich in die
Schaffung von vier UT-Ausbildungsberufen, deren einer die Fachkraft
für Rohr-, Kanal- und Industrieservice ist, die 2002 per Verordnung
quasi „das Licht der Arbeitswelt erblickte“. Seither
haben sich pro Jahr rund 80 Jugendliche für die auf drei Jahre
angelegten Ausbildung entschieden, die, wie üblich, in betrieblicher-berufsschulischer
Doppelgleisigkeit auf der Grundlage einer entsprechenden Ausbildungsordnung
für dieses Berufsbild stattfindet.
Bislang gibt es insgesamt ca. 200
ausgebildete Fachkräfte für Rohr-, Kanal- und Industrieservice.
Da ein Berufsbild aber erst dann richtig „rund“ ist,
wenn es auch berufliche Aufstiegsperspektiven bietet, und weil zu
jedem Ausbildungsberuf zwingend auch Meister als Ausbilder gehören,
war die Schaffung einer Meister-Verordnung für das neue UT-Berufsbild
im Jahre 2004 eine natürliche und notwendige Konsequenz, die
wiederum vom VDRK mit Elan vorangetrieben wurde. Den Titel eines
„Meisters für Rohr-, Kanal- und Industrieservice“
kann man seitdem von zwei Ausgangspunkten her erwerben. Zur Meisterprüfung
können natürlich die erfolgreichen Absolventen des Ausbildungsganges
antreten, die eine gewisse Berufspraxis hinter sich gebracht und
erforderliche Zusatzqualifikationen in den von der DEULA Rheinland
angebotenen Meisterkursen erworben
haben. Die Zulassung zu den Meisterkursen und der anschließenden
Meisterprüfung steht jedoch im Einzelfall und unter genau definierten
Bedingungen auch Quereinsteigern offen. Diese müssen noch nicht
aus dem neuen Berufsbild kommen, aber aufgrund nachgewiesener Berufspraxis
über die notwendige Fachkompetenz und Erfahrung verfügen.
Diese Öffnung war schon deshalb
notwendig, um in einem überschaubaren Zeitraum eine zahlenmäßig
hinreichende Basis von Ausbildern für den neuen Ausbildungsgang
zu schaffen. Während der erste, auf der IFAT in München
verabschiedete Meisterjahrgang sich zu 30 Prozent aus Quereinsteigern
rekrutierte, dürfte ihr Anteil künftig sicherlich in dem
Maße sinken, wie gelernte Fachkräfte für Rohr- Kanal-
und Industrieservice aus dem offiziellen Ausbildungsgang hervor
gehen und den „Weg nach oben“ gehen. Die anderen Teilnehmer
hatten bereits im Vorfeld eine staatlich anerkannt Fortbildung zur
geprüften Fachkraft für Rohr- und Kanaltechnik absolviert
und konnten somit Fachkompetenz vorweisen.